Wann ist Coaching für Führungskräfte sinnvoll?
Ein Führungscoaching, oft auch Leadership-Coaching genannt, hilft in Situationen wie diesen:
- Ihr übernehmt eine neue Führungsrolle, vielleicht im Team, in dem ihr bisher selbst mitgearbeitet habt.
- Ein Gespräch, das ihr führen müsstet, schiebt ihr seit Wochen vor euch her.
- Vieles läuft über euren Tisch, obwohl ihr mehr Verantwortung abgeben möchtet.
- Ihr steht zwischen den Erwartungen von oben, etwa der Geschäftsleitung oder der Politik, und den Anliegen eures Teams.
- Der Druck ist seit Längerem hoch, und ihr merkt, dass eure Geduld oder eure Energie nachlässt.
Dahinter stehen ganz praktische Fragen. Wie spreche ich etwas klar an, ohne dass die Zusammenarbeit leidet? Wie führe ich eine Diskussion zu einem verbindlichen Entscheid? Und warum greife ich immer wieder ein, obwohl ich eigentlich delegieren möchte?
Coaching ist kein Zeichen dafür, dass etwas schiefläuft. Viele Führungskräfte nutzen es bewusst, um sich in einer neuen Rolle zu orientieren oder ihre Führung weiterzuentwickeln, lange bevor eine Situation eskaliert. Manche Organisationen bieten es gezielt neuen Führungskräften in den ersten Monaten an. Ihr könnt ein Coaching aber auch selbst anstossen, über eure vorgesetzte Person, über HR oder direkt bei uns.
Wie läuft ein Führungscoaching ab und wie lange dauert es?
Ein Führungscoaching dauert bei uns meist rund drei Monate. Gecoacht werdet ihr von Sina Mehl oder Kai Christen. Beide unterrichten auch an der ZHAW im CAS Personalführung im öffentlichen Sektor.
Am Anfang steht ein Strategiegespräch, in dem ihr die Person kennenlernt, die euch begleitet. Wir klären, was euch beschäftigt, was sich verändern soll und woran ihr im Alltag merken würdet, dass ihr weitergekommen seid. Danach erhaltet ihr ein Angebot. Die Begleitung selbst hat drei Teile:
- 1. Ein ausführlicher Einstieg. Wir nehmen uns einen halben oder ganzen Tag Zeit, gerne ausserhalb des gewohnten Arbeitsumfelds. Wir schauen auf Situationen, die euch beschäftigen: Was ist passiert? Wie habt ihr reagiert? Welche Erwartungen waren ausgesprochen, welche nur angenommen? Am Ende stehen wenige Vorhaben, die ihr ausprobieren wollt.
- 2. Umsetzen im Alltag. In den folgenden Wochen setzt ihr eure Vorhaben um, und wir begleiten euch dabei. Steht eine wichtige Situation an, könnt ihr euch auch kurzfristig per Nachricht melden. Was ihr zwischen den Terminen ausprobiert und erlebt, ist der wichtigste Teil des Coachings.
- 3. Bilanz ziehen. Im Abschlussgespräch schaut ihr zurück: Was hat sich verändert? Wo braucht es noch Aufmerksamkeit? Und wie bleibt ihr ohne Begleitung dran?
Neben dem Einstieg und dem Abschlussgespräch kommen je nach Vereinbarung einige kürzere Gespräche dazu. So lässt sich ein Coaching auch neben einem vollen Arbeitsalltag oder im Schichtbetrieb einplanen. Geht es nur um eine bestimmte Situation, etwa ein wichtiges Gespräch, kann auch ein einzelnes Coachinggespräch reichen.
In den Gesprächen hören wir zu, fragen nach und sagen, was uns auffällt, auch wenn es unbequem ist. Wir gehen von euren Stärken aus. Wo es hilft, bringen wir ein Modell zu Führung oder Kommunikation ein. Die Lösungen entwickelt ihr selbst, denn ihr kennt euren Alltag am besten.
Die Teamleiterin, die ihr Feedbackgespräch immer wieder verschiebt, könnten wir zum Beispiel fragen: «Was macht gerade dieses Gespräch für dich so schwierig?» Vielleicht erzählt sie dann, dass sie und der Mitarbeiter bis vor einem Jahr noch Kollegen im selben Team waren. In diesem Fall geht es im Coaching auch um ihre neue Rolle. Für das Gespräch selbst kann sie ihre Rückmeldung mit den drei W vorbereiten, also mit ihrer Wahrnehmung, der Wirkung und ihrem Wunsch. Danach fragt sie bewusst nach seiner Sicht.
Den Einstieg machen wir wenn möglich vor Ort, in unserem Büro in Luzern oder bei euch. Weitere Gespräche finden je nach Situation online statt. Wir begleiten Führungskräfte aus Unternehmen und öffentlichen Organisationen in der ganzen Deutschschweiz, vor allem im Raum Zürich und Luzern.
Coaching, Training oder Teamentwicklung: Was passt wann?
Welches Format passt, hängt davon ab, wo die Schwierigkeit liegt:
- Ein Training, wenn mehrere Führungskräfte gemeinsame Grundlagen brauchen, etwa zu Feedback, Delegation oder Gesprächsführung.
- Ein Coaching, wenn eine Person die Grundlagen kennt und in einer bestimmten Situation trotzdem nicht weiterkommt.
- Eine Teamentwicklung, wenn Zuständigkeiten unklar sind, Absprachen unterschiedlich verstanden werden oder ein Konflikt mehrere Personen betrifft.
In einem Führungstraining vermitteln wir Vorgehensweisen. Die Teilnehmenden probieren sie aus und erhalten Rückmeldung. Im Coaching findet ihr selbst heraus, was in eurer Situation funktioniert, und wir unterstützen euch dabei.
Ein Training wirkt stärker, wenn danach ein Coaching folgt. Darauf deutet eine oft zitierte Studie aus einer städtischen Behörde in den USA hin. Nach einem klassischen Führungstraining für 31 Führungskräfte stieg die Produktivität um 22 Prozent. Nach dem anschliessenden Einzelcoaching lag der Zuwachs bei 88 Prozent. Die Studie ist klein und hatte keine Kontrollgruppe. Sie deckt sich aber mit unserer Erfahrung: Was nach einem Training begleitet wird, hält besser.
Manche Fragen lassen sich zudem nicht allein klären. Eine Führungskraft, die mehr Verantwortung abgeben möchte, kann im Coaching herausfinden, weshalb sie so oft eingreift. Welche Entscheidungen ihre Mitarbeitenden künftig selbst treffen und wann eine Rücksprache nötig ist, muss sie aber mit dem Team vereinbaren. Deshalb verbinden wir ein Einzelcoaching bei Bedarf mit einem Teamworkshop, den wir gemeinsam mit der Führungskraft vorbereiten.
Was sollten HR-Verantwortliche beim Start eines Coachings beachten?
Wenn ihr als HR-Verantwortliche ein Coaching anstosst, bezieht die Führungskraft von Anfang an ein. Ein Coaching wirkt nur, wenn sie selbst etwas verändern möchte.
Beschreibt gemeinsam, was sich verändern soll, so konkret, dass man es bei der Arbeit bemerkt. «Ich möchte souveräner führen» ist ein verständlicher Wunsch, aber schwer zu überprüfen. «Wenn jemand eine Abmachung nicht einhält, spreche ich es in derselben Woche an» lässt sich beobachten.
Bewährt hat sich, dass Führungskraft, vorgesetzte Person oder HR und Coach die Ziele zu Beginn gemeinsam festhalten. Das kann bereits im Strategiegespräch geschehen. In der Fachsprache heisst diese Vereinbarung Dreieckskontrakt. Darin legt ihr auch fest, was vertraulich bleibt. Die Inhalte der Coachinggespräche gehören der Führungskraft. Über Ziele und Fortschritte berichtet sie selbst, zum Beispiel in einem gemeinsamen Abschlussgespräch.
Achtet bei der Auswahl besonders darauf, ob die Zusammenarbeit stimmt. Ein internationales Forschungsteam hat dazu fast 1'900 Coachings aus 34 Ländern ausgewertet. Wie wirksam die Gecoachten ihr Coaching erlebten, hing eng mit der Arbeitsbeziehung zum Coach zusammen, besonders damit, wie sie selbst diese Beziehung einschätzten. Ob Coach und Führungskraft eine ähnliche Persönlichkeit hatten, spielte dagegen keine Rolle. Lasst die Führungskraft ihren Coach deshalb vor dem Start selbst kennenlernen und mitentscheiden, ob sie mit dieser Person arbeiten möchte.
Wann ist Coaching nicht das richtige Mittel?
Coaching passt nicht zu jeder Situation:
- Die Entscheidung über eine Person ist eigentlich schon gefallen, und das Coaching soll nur noch zeigen, dass man alles versucht hat. Dann ist ein offenes Gespräch über die Entscheidung fairer.
- Das Problem liegt in unklaren Strukturen oder fehlenden Ressourcen. Dann helfen geklärte Rollen, Abläufe und Prioritäten mehr.
- Jemand ist stark erschöpft. Dann braucht es zuerst ärztliche Unterstützung.
Ein Impuls vor eurem nächsten schwierigen Gespräch
Gibt es ein Gespräch, das ihr seit einiger Zeit vor euch herschiebt? Nehmt euch eine Viertelstunde und beantwortet für euch drei Fragen:
- 1. Was genau möchte ich mit diesem Gespräch erreichen?
- 2. Was befürchte ich, wenn ich es führe, und wie wahrscheinlich ist das?
- 3. Mit welchem Satz könnte ich beginnen?
Schreibt die Antworten auf. Für den Anfang genügen ein, zwei einfache Sätze, zum Beispiel: «Ich möchte mit dir über unsere Abmachungen reden. Mir ist etwas aufgefallen, und ich möchte auch hören, wie du das siehst.» Legt danach einen Termin fest, statt auf den richtigen Moment zu warten.
Ein schwieriges Gespräch wird selten leichter, wenn man es aufschiebt. Und wenn ihr merkt, dass ihr immer wieder an derselben Stelle hängen bleibt, hilft das Gespräch mit jemandem, der nicht selbst Teil der Situation ist.
